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Ach, wie schön das Schauspielerdasein doch sein kann: lächelndes Publikum, tosender Applaus, zufriedene und amüsierte Gesichter und man geht selig in seine Garderobe. Ok, manchmal ist der Applaus nicht tosend und die Gesichter unlesbar versteinert. Fragend. Oder gar entschlummert. Oder.... moment, saß da nicht vor der Pause noch jemand?
Dann zieht man sich nach getaner Arbeit schweigend um, brummelt sich was in den Bart wenn man an den Kollegen vorbei zu den Abschminktüchern greift und grinst erschöpft, wenn jemand mit dem letzten Rest Galgenhumor „....tja, Leute, fertig zur Notschlachtung“ die frustrierte Stimmung versucht aufzmöbeln.

Mit ein und demselben Stück jedoch so unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen ist nochmal eine besonders spannende Erfahrung: „Schimanzki“ scheint unglaublich zu polarisieren und wird zur einen Hälfte mit standing ovations abgefeiert und man verpasst vor lauter Verbeugen und Zugaben und ausgegebenem Eierlikör beinahe den Zug nach Hause. Die andere Variante sind fragende Gesichter, entsetzt geradezu, suchend nach Tiefe und Sinn und orientierunglos im luftleeren Raum des Trashs umhertreibend, wenn nicht schon gegangen und schimpfend auf dem Weg ins Staatsschauspiel. Höfliches Klatschen und nix wie weg hier. Augenkontakt vermeiden!
Und beides mit ein und demselben Abend.
Schluck.
Gräm.
Freu.
Irre!!!!

Wir wurden aus unserer „comfort zone“ gesprengt! Was für eine Herausforderung, da jedes Mal rauszugehen auf die Bühne und nicht zu wissen ob man sich vor faulen Eiern ducken oder eine Rose fangen soll!

WIR SIND WACH!

Nö, begriffen haben wir es noch nicht ganz, woran das liegt. Wilde Theorien von „Sehgewohnheiten“ bis „Glühweinkonsum“ werden im Garderobenwettbüro verhandelt. Mit der Analyse werder wir wohl warten müssen...wieviele innere Mäuse und warum beide Pfoten noch dran und was sonst noch. Wie unser Schimanzki schwingen wir uns mit der Eleganz eines Zirkuskünstler nach getaner Arbeit auf den Barhocker und stützen uns aufs Glas, ertragen die verstohlenen Blicke, drücken mit dem Finger ein Loch in die Theke. Die wahrhaft große innere Maus kennt weder Stolz noch Schmerz. Alles ist ganz einfach. Was wir uns merken wollen. L

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Paris, 13. November 2015.
14. Nov 2015 von Jonas

aus dem Nichts die erste Nachricht auf dem Handy. dann saßen wir zusammen vor dem Fernseher, den Computern, den Telefonen. sms an Freunde. anrufen wollen. sonst sind wir sehr still.
still, entsetzt, erschreckt und vor allem voller Traurigkeit.
wie furchtbar fühlt es sich an, dass man nicht mehr überrascht ist. dass das jetzt wohl dazu gehört, dass so etwas passiert.
unser Blick in die Welt hat sich schon geändert, schon vorher. langsam und schleichend, aber merklich.
man will keine Angst haben. man will nicht allein sein. wir nehmen uns alle in den Arm, in der Küche an den Zigaretten.
unsere Welt. heute.
uns blutet das Herz.

am meisten trifft uns die schreckliche Geiselnahme und das Massaker im Club Bataclan. Konzerte, Publikum, Bühnen, da sind wir oft. auch unsere Welt.

später, es ist schon Nacht und ich bin inzwischen allein vor dem Bildschirm. man will schlafen aber man hat Angst vor den Schlagzeilen morgen früh. wenn man mehr weiß. und man weiß ja schon jetzt so viel. zu viel.

auf Twitter bieten Menschen unter #PorteOuverte Unterkunft und Zugang zu ihren Wohnungen für Schutzsuchende oder andere, die nicht wissen wohin. sie schreiben ihre Adressen ins Netz. offene Türen. wie wundervoll. das tröstet. das wollen wir doch, die Türen öffnen. zusammen sein. uns gegenseitig helfen. nicht verschließen. nicht verschlossen werden.

auf diese Zeichen müssen wir schauen. nicht auf die brutalen Zeichen der Angst der anderen. wir müssen unsere Zeichen setzen. deutlich. neue Zeichen finden, bessere Zeichen. wir müssen kreativ bleiben und noch kreativer werden. es braucht anderes Denken. und Kraft, verdammt viel Kraft.
wir müssen die Türen aufhalten.
egal wieviel Wind sie vielleicht zudrücken will.

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Marie Schimanzki allein zu Haus
13. Nov 2015 von Lena

Schimmi ist fort und sucht seine innere Maus. Da hilft nur noch ABBA.

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Den meisten ist Janosch hauptsächlich als Autor anarchisch philosophischer Kinderbücher ein Begriff. Aus der Feder des Malers, Geschichtenerfinders, Lebenskünstlers und Anarchisten, der sich inzwischen auf eine Insel zwischen Sonne und Meer zurückgezogen hat, stammt jedoch weit mehr, wie z.B. mehrere feinsinnige bis feinspinnige Romane und Theaterstücke: Sein Roman »Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm« gewann drei Literaturpreise und Janosch selbst wurde 1992 für sein Romanwerk mit dem Andreas-Gryphius-Preis ausgezeichnet.

In seinen Büchern und Werken zeigt sich immer wieder der Grenzgänger, der Narr, der Träumer, für den es jeden Tag eine andere Wahrheit gibt. Selbst Janoschs eigener Biografie kann man nie so ganz trauen, zu verlockend ist für ihn das Spiel mit Wahrheit und Fantasie, was auch in seinem Buch »Schimanzki« deutlich zum Vorschein kommt.

Anhand der kleinen Maus Schimanzki zeichnet er das Bild eines Menschen am Rande der Gesellschaft, ein Habenichts, obdachlos, herumstreunend. Zurückgezogen lebt er in der Welt der »großen Menschen«, einer wilden Welt aus Verbrechen und Zügellosigkeit, in der er kaum wahrgenommen wird, übersehen, überrannt, liegengelassen. Es ist eine Hommage an den Lebensmut einfacher Leute. Er zeichnet sie als »Verzweiflungsclowns«, als »merkwürdige Komiker« und dennoch als Helden: Denn Schimanzki ist mit einer enormen übermenschlichen und -mäuslichen Kraft ausgestattet, von der er im Verlauf seiner Abenteuer mehr und mehr erfährt.

Schimanzki stellt damit die Figur des klassischen »Drifters« dar: Zunächst richtungs- und positionslos zwingt ihn die Umwelt immer mehr ins Handeln, er findet kurzfristige Haltepunkte in ehrlichen zwischenmenschlichen (und -mäuslichen) Beziehungen, doch seine alten Stiefel tragen ihn immer weiter in die Welt, die immer größer, unüberschaubarer und gefährlicher wird – und ihn am Ende beinahe das Leben kostet.

Auf dieser Ebene wird aus Janoschs Text eine faszinierende und mutmachende Parabel, eine liebevolle Ode an die Randexistenzen, die unseren Blick oft streifen:

»Man sollte die kleinen Kerle neben uns immer genau betrachten. Denn wissen wir, was von ihnen ausgeht? Wir wissen nichts. Jeder neben uns in der Eisenbahn kann ein Schimanzki sein. Das wollen wir uns merken.«

Janosch selbst befand sich zeit seines Lebens in Gegenwehr gegen eine unzumutbare, ungerechte, unüberschaubere und gewalttätige Umwelt. Während seiner Kindheit in Polen wurde er zur Zeit des Nationalsozialismus Zeuge von mehreren Gewalttaten, eine streng katholische (und teils gewalttätige) Erziehung versetzte ihn in jungen Jahren in große Angst und Verunsicherung, er fiel an der Münchener Kunstakademie mehrmals durch und musste sich später, wegen starken Alkoholkonsum, einer gefährlichen Leberoperation unterziehen, die ihm das Leben rettete. All dem stellte er seine Kunst entgegen, in der er den Widrigkeiten der »erwachsenen Welt« durch wilde und mutige Fantasie entkam und sie dadurch gleichzeitig auf humorvolle und gerne derbe Weise bloß zu stellen vermochte. Er selbst entzog sich auch real der lauten, westlichen Welt und setzte sich auf eine Insel ab, im Gepäck nur das nötigste – und vor allem viel augenzwinkernder Humor, künstlerische Freiheit und Cuba Libre.

Mit »Schimanzki« wollen wir mit einer ähnlichen Frechheit und Freiheit den Widrigkeiten unserer Welt ein freundschaftliches Lächeln entgegensetzen und den Mut auffrischen, die Kraft der inneren Maus in sich selbst zu entdecken.

»Alles ist Mist. Aber dann möchte man sich manchmal auf die Erde setzen und sich vor Freude ins Hemd weinen.«
- Janosch

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Denkpause
02. Sep 2015 von Jonas

Unser Blog ist wirklich nicht so mega geeignet, per Handy geschrieben zu werden, merke ich, aber ich versuche es hier trotzdem mal kurz.

Es ist mal wieder geschafft und wir haben die Anträge fürs nächste Jahr und für die Grundförderung der nächsten Jahre erdacht, ausformuliert, zigfach ausgedruckt, eingetütet und abgeschickt. Jetzt kann man nur noch warten, wie sich die Förderer entscheiden und hoffen, dass unsere Ideen sie überzeugen können.

Dieses Jahr war es ein bisschen schwieriger und anstrengender als sonst - wir alle waren, aus verschiedenen und teils auch ähnlichen Gründen ziemlich geschafft, gestresst und fertig - und hätte es für jeden von uns die Möglichkeit gegeben, einfach mal für ein Weilchen zu verschwinden und das Theater mal für eine Weile sich selbst zu überlassen, jeder von uns hätte ehrlichgesagt, gerne mal diese Chance ergriffen.

So haben wir uns vielleicht in der letzten Zeit auch einfach mal ein bisschen selbst überholt, als ich z.B. den Sachbericht für 2014 geschrieben habe, war ich erneut erstaunt, wie viele Produktionen, Aktionen, Gastspiele, Konzerte, etc. wir in das Jahr gewuchtet hatten! Hat ja auch ne Menge Spaß gemacht, aber eben - wir haben auch Federn gelassen.

Ich persönlich lüfte und trockne mein Gefieder jetzt gerade im offenen Kofferaum unseres Autos auf dem Elbecamp in Hamburg, neben mir liegt Amanda Palmers großartiges Buch, die Sonne scheint und ich dachte mir gerade, dass ich gerne wieder - wie ursprünglich mal geplant - sehr viel mehr von hier, hinter der Bühne, hinter den Scheinwerfern schreiben will. Denn der Kontakt zu und mit Euch, der ist uns nach wie vor die schönste Belohnung für unsere Arbeit an der Glocksee!

Und das soll deshalb nicht einschlafen oder zwischen all dem Gewusel, Organisieren und Geprobe untergehen, das wäre schade.

Wir haben Euch ja z.B. auch drei Monate lang unser WILDWECHSEL-Format um die Ohren gehauen und Ihr habt Euch drei Monate lang nicht beschwert über die vielen spontanen Newsletter, die wir rausjagen mussten für dieses spontane und besondere Projekt - und nun ist es vorbei und wir sind noch gar nicht dazu gekommen, eine richtig schöne Auswertung des Ganzen hier zu posten. That's dumb.

Wie gesagt, ich tippe das hier gerade gedankenverloren via Handy, daher halte ich mich auch kurz - aber hiermit verspreche ich Euch, dass da noch was kommt zu WILDWECHSEL! Es war nämlich auch ne tolle, schöne und vor allem kreative wilde Zeit über die es sich zu berichten lohnt!

Und auch sonst werde ich mir wieder etwas mehr Zeit ausgraben um Euch hier öfter und mehr zu schreiben. I promise.

Lots of Love vom
Jonas

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Antragszeit ist Blockzeit!
24. Aug 2015 von Jonas

Hurra, hurra, es ist wieder soweit: Die Anträge fürs nächste Jahr wollen geschrieben sein und prompt paar sich der Block aufs räudigste mit der guten alten Freundin Unlust... ein freches Paar, die beiden!

Everybody now: «Alle Jahre wieder...« ;)

 

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WILDWECHSEL Blog
03. Mai 2015 von Jonas

Während unseres Formats WILDWECHSEL begleiten wir die gesamte Aktion drei Monate lang über unser Projekt-Blog - da es vermutlich sehr inhaltsreich wird, haben wir es aber diesmal auf Tumblr ausgelagert. So kann auch mehr damit interagiert werden und wir können alle schneller - auch mal mobil - posten.

Ihr findet es unter theaterglocksee.de/wildwechselblog/ oder auf wildwechselglocksee.tumblr.com.

Schaut vorbei!

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Mehr zum Thema Autismus
13. Dez 2014 von Jonas

Für alle, die sich noch mehr mit dem Thema Autismus beschäftigen möchten, haben wir hier noch ein paar Buch- und Filmempfehlungen - und vielleicht ist ja auch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk dabei:

 

Der Junge vom Saturn BuchcoverDer Junge vom Saturn (Peter Schmidt)

Peter ist ein seltsamer Junge. Wenn er sich freut, flattert er mit den Armen, wie ein Vogel. In der Schule beißt er die Mitschüler, weil er sich mehr durchbeißen soll. Und Zuhause studiert er stundenlang Lichtflecken an den Wänden, weil das so herrlich juchzt. Peter Schmidts Aufzeichnungen über seine Kindheit mit Asperger-Syndrom sind einzigartig. Denn er kann sich nicht nur an die ersten Jahre seines Lebens, sondern sogar an die Stunden seiner Geburt erinnern! Für diese ungewöhnlichen Wahrnehmungen entwirft er eine eigene Sprachwelt, die faszinierend und verblüffend plausibel ist.

» hugendubel.de


Buntschatten und Fledermäuse

Buntschatten und Fledermäuse (Axel Brauns)

Wie aus dem »Dummbart« ein »Schlauberger«, aus dem Sprachlosen ein Dichter wird, wie ein »Gefühlstauber« den Autismus durchbricht: Axel Brauns´ Erinnerungen geben einen erstaunlichen Einblick in eine andersartige Welt. Faszinierend, aufregend, verstörend.

» hugendubel.de




Snow Cake FilmSnow Cake (DVD)

Mit Alan Rickman, Sigourney Weaver, Carrie-Anne Moss.
Regie Marc Evans.

» amazon.de




Adam FilmAdam (DVD)

Mit Hugh Dancy, Rose Byrne.
Regie Max Mayer.

» amazon.de




Außerdem bieten das Zentrum für Autismus-Kompetenz und andere Einrichtungen in Hannover viele interessante Workshops, Seminare und Vorträge an. Hier eine Übersicht für den Zeitraum Frühjahr bis Sommer 2015:


Mädchen und Frauen mit Asperger Syndrom
im Rahmen der Seminarreihe „klein und fein“
am 17.01.2015 in Remscheid (www.harth-therapie.de)
 
Das Asperger- Syndrom:
Einführung in eine andere Welt der Wahrnehmung
am 24.01.2015 in Hannover (www.bildungsverein.de)
 
Stress- und Krisenintervention bei Menschen mit Autismus
mit Frau Dr. Christine Preißmann
am 14.02.2015 in Hannover (www.zak-hannover.de)
 
Workshop für Menschen mit Autismus und Angehörige:
Mit Autismus leben
am 28.02.2015 in Hannover (www.zak-hannover.de)
 
Seminar für Menschen im Autismus- Spektrum mit Johannes F. W. Drischel:
Leben mit Autismus
ab 07.03.2015 in Hannover (www.zak-hannover.de)
 
Menschen mit Autismus verstehen lernen:
Coaching und Kommunikation im Autismus- Spektrum
mit Ludo Vande Kerckhove
am 25./26.04.2015 in Hannover(www.zak-hannover.de)
 
Bildungsurlaub: Intensivwoche 2015
Autismus-Kompetenz entwickeln
vom 08.06. bis 12.06.2015 in Hannover (www.zak-hannover.de)
 
Vortragsabend:
Mädchen und Frauen mit Asperger- Syndrom
am 17.07.2015 in Walsorode (www.einzigartig-eigenartig.de)
 
Weitere Informationen zu diesen und anderen Seminaren:
www.zak-hannover.de, Ansprechpartnerin: Simone Hatami, Tel. 0511 1601598

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Podcast

Folge 7
über »House of Love«

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