Blog

Vom Ideenklau unter Künstlern
29. Jan 2016 von Lena

In der Inszenierung von „Die Macht des Schicksals“ an der Staatsoper Hannover gibt es eine Demonstrationsszene mit Schildern, auf denen allerdings keine politischen Belange stehen, sondern Wörter wie „Sinn“ oder „Was soll's“. Hä?- dachten sich zwei Zuschauer in der öffentlichen Generalprobe, die unsere Arbeit im THEATER an der GLOCKSEE schon seit Jahren verfolgen- das ist doch genauso wie Eure Aktion der „Demo der Verwirrten“ am Steintor 2015! Haben die das bei Euch geklaut??

Wenn irgendwo zwei ähnliche künstlerische Umsetzungen einer Thematik zu sehen sind, kann das natürlich sein- dann sehen wir das mal als Kompliment für eine gute Idee. Oder die Idee entsteht, weil das Thema in der Luft liegt, mehrmals. Der eine greift es früher, der andere später.

Wenn wir unsere „Demo der Verwirrten“ als Kunstaktion im öffentlichen Raum im Mai 2015 zelebrieren, mit dem Hintergedanken auf die Absurdität der aus dem Boden schießenden Demos mit pseudopolitisiertem Unsinn aufmerksam zu machen, scheint das heute immerhin noch so aktuell zu sein, dass es in einer großen Operninszenierung auftaucht.

Die spannende Frage ist aber – warum empört man sich so über den Ideenklau? Ist nicht viel wichtiger, ob die Idee und der Inhalt gut ist und ob es uns alle, Künstler und Publikum, weiterbringt auf unserem Weg Richtung Zukunft? Denn hierfür können und dürfen wir auf keine einzige gute Idee und deren Verbreitung verzichten! Wer da auf seiner Idee hockt wie Dagobert auf dem Gold beschützt nur sein Künstlerego und hat Angst, verkannt, nicht gewürdigt und vergessen zu werden: „Hilfe, jetzt erntet ein anderer meine höchstverdienten Lorbeeren!“ Erstmal verständlich, macht aber leider alt und bitter, diese Erfahrung hat jeder Künstler mal gemacht. Nichts ist schlimmer als unerkannt in der Versenkung zu verschwinden. Aber man vergeudet die Zeit mit Ärger, die man so toll für neue , frische, nie gedacht und großartige Ideen nutzen könnte!

Letztendlich schöpfen wir alle aus einem Pool und bauen unsere Kreativität immer aufeinander auf und wachsen so immer weiter, alle gemeinsam, jeder ein Rädchen, das ins andere greift.

Doch das hört das Künstlerego nicht gern, da es in seiner Natur liegt, einzigartig sein zu wollen.

Dabei täte es uns so gut, uns da mal zu entspannen.Denn das allermeiste was wir fabrizieren an Theaterformen, Bildern und Aktionen war ohnehin schonmal da in der ein oder anderen Form. Wir verpassen ihm ein neues Gewand, sagen es rückwärts auf und setzen es in anderen zeitgemäßen Kontext und schwups! haben wir ein vermeintlich innovatives Stück Kunst geschaffen. Wahre Innovation ist so selten wie das Wort abgenutzt ist und außerdem sehr schwer zu greifen- denn eigentlich ist sie nur im Kontext zu betrachten und relevant: Was für die eine (Publikums-)Gruppe revolutionär ist, ist für die andere ein alter Hut. Was für die einen eine nie dagewesene künstlerische Umsetzungsform einer Thematik ist, ist für andere ihr täglich Brot in ganz anderen Lebensbereichen.

Doch zurück zum Thema: Vielleicht sollte man sich generell eher als Ideenverschenker als als Ideenbesitzer ( dem etwas geklaut werden kann) betrachten - im Sinne der neuen Vernetzung der Welt? Wie viel weiter wären wir schon, wenn alle guten Ideen publik gemacht und kopiert werden würden? Vermutlich hätten wir längst den Mars erobert, das Klima gerettet, Impfstoffrezepturen rausgerückt, den Hunger besiegt, Frieden gemacht und mit unserem Elektro-OldschoolVWBus auf dem Weg in ein Morgen ohne Sorgen! Halleluja!

Hm. Und wenn ich aber von meiner Idee leben muß? Wenn ich Geld bekomme für meine neue, innovative Idee? Wenn ich das Geld und die Anerkennung brauche, um größer zu werden und zu wachsen, meine Familie zu ernähren? Was dann? Hat uns da die alte Kapitalismushexe wieder am Schlafittchen oder was ist da los? Puh, ich kann nicht mehr denken, jetzt seid Ihr dran:)

... » weiterlesen
 
Der letzte Eierlikör....
17. Jan 2016 von Lena

...nach der letzten Vorstellung von Schneemanzki, äh, Schimanzki, am 16.01., verkostet von unserem Mann-an den-Reglern-Timo. Am 15.01. durchfuhr es ihn und uns wie ein Blitz, als kurz vor Stückende eine fremde Stimme über die Lautsprecher zu uns sprach - hatten wir zu tief ins Glas geschaut oder was war hier los? Gott sei Dank war der Spuk nur ein paar Sekunden lang - eine Taxi oder Polizeifunkfrequenz hatte ihren Weg in unsere Boxen gefunden!
Aber das Schönste ist: fünf nahezu ausverkaufte Vorstellungen im Januar haben uns eine tolle Bühnenzeit beschert und wir bedanken uns für viel Applaus und fröhliche eierlikörverklebte Abende! Nun verstreuen sich die Kollegen wieder in alle Winde auf der Suche nach neuen Abenteuern. Irgendwie immer auch traurig, so ein Abschied - aber die Erde ist rrrund, wie uns Käptn Kümmelkorn lehrte, und so werden wir uns alle alsbald wieder über den Weg laufen! Bis dahin Ahoi, Ihr Landratten!

... » weiterlesen
 
Heroes
14. Jan 2016 von Theater

Wie schon getwittert kam es gestern bei »Schimanzki« zu einem spontanen musikalischen Andenken an David Bowie, als das Ensemble einen kurzen Ausschnitt aus »Heroes« einbaute:

... » weiterlesen
 
Ausflug
09. Jan 2016 von Jonas

In der letzten Woche haben Lena und ich einen kleinen Ausflug nach Görlitz unternommen (am wahrscheinlich kältesten Tag des Jahres - bibber!) um uns endlich ein Tanzstück unserer Freunde und Kollegen Dan & Marko anzusehen. Nach langjähriger Arbeit in der freien Szene sind die beiden nun Leiter der Tanzsparte des Gerhart Hauptmann-Theaters - und ich war restlos begeistert von ihrer aktuellen Produktion »Aqua«, die dort gerade für ausverkaufte Vorstellungen sorgt!

Also eine große Empfehlung für alle, die es mal in die Gegend verschlagen sollte! (Und Görlitz selbst ist auch hübsch.) :)

... » weiterlesen
 
Grüße zum Jahresende
24. Dez 2015 von Jonas

Ein wildes, bisweilen auch sehr anstrengendes (Theater-)Jahr neigt sich dem Ende zu. Für uns war 2015 auch ein wenig ein Umbruchjahr, wir haben uns viele Fragen gestellt, manches in Frage gestellt, haben uns bei WILDWECHSEL in neue Gefilde getraut, sind hier und da auch mal gestolpert und aneinandergestoßen und haben uns wieder zusammengefunden, haben neue Kooperationen entdeckt, einen Preis gewonnen, viele spannende Kontakte geknüpft und auch mal wieder andernorts gespielt, viel über Tellerränder geguckt, machen nun entweder Diäten oder holen das Essen nach...
Gleichzeitig polterte es wieder laut in der Welt, Paris hat uns erschreckt, die Flüchtlingsdebatte nicht losgelassen... Kinder, es gibt ja soviel zu tun... was für ein Theater.

Nach wie vor freuen wir uns, dass Ihr uns auf unserem Weg begleitet und uns in der Glocksee oder auf den öffentlichen Plätzen besucht habt (teilweise auch bei Wind und Wetter), auch wenn WILDWECHSEL Euch da viel abverlangt hat oder die Flut der spontanen Newsletter vielleicht auch mal genervt hat. Es hat uns neuen Mut gemacht, neue Türen geöffnet und auch neue Ideen gepflanzt - und wie hieß es ja schon bei »Ben X«: sich etwas trauen ist alles.

Die Zeiten werden nicht leichter werden, das wissen wir alle. Es kommt noch einiges auf uns alle zu und viel will angepackt werden - sammeln wir also Kraft! Daher wünschen wir Euch und uns nun erstmal geruhsame und schöne Feiertage und ein frohes Fest!

Und bald darauf auch einen guten Rutsch ins neue Jahr - in dem wir Euch gerne wieder zu unseren neuen Projekten und Produktionen im Theater begrüßen wollen, wenn wir unser Theaterjahr 2016 unter das Motto und den Wunsch »ALLES GUTE« stellen!

In diesem Sinne: Schöne Feiertage & bis bald im THEATER an der GLOCKSEE!

... » weiterlesen
 

Ach, wie schön das Schauspielerdasein doch sein kann: lächelndes Publikum, tosender Applaus, zufriedene und amüsierte Gesichter und man geht selig in seine Garderobe. Ok, manchmal ist der Applaus nicht tosend und die Gesichter unlesbar versteinert. Fragend. Oder gar entschlummert. Oder.... moment, saß da nicht vor der Pause noch jemand?
Dann zieht man sich nach getaner Arbeit schweigend um, brummelt sich was in den Bart wenn man an den Kollegen vorbei zu den Abschminktüchern greift und grinst erschöpft, wenn jemand mit dem letzten Rest Galgenhumor „....tja, Leute, fertig zur Notschlachtung“ die frustrierte Stimmung versucht aufzmöbeln.

Mit ein und demselben Stück jedoch so unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen ist nochmal eine besonders spannende Erfahrung: „Schimanzki“ scheint unglaublich zu polarisieren und wird zur einen Hälfte mit standing ovations abgefeiert und man verpasst vor lauter Verbeugen und Zugaben und ausgegebenem Eierlikör beinahe den Zug nach Hause. Die andere Variante sind fragende Gesichter, entsetzt geradezu, suchend nach Tiefe und Sinn und orientierunglos im luftleeren Raum des Trashs umhertreibend, wenn nicht schon gegangen und schimpfend auf dem Weg ins Staatsschauspiel. Höfliches Klatschen und nix wie weg hier. Augenkontakt vermeiden!
Und beides mit ein und demselben Abend.
Schluck.
Gräm.
Freu.
Irre!!!!

Wir wurden aus unserer „comfort zone“ gesprengt! Was für eine Herausforderung, da jedes Mal rauszugehen auf die Bühne und nicht zu wissen ob man sich vor faulen Eiern ducken oder eine Rose fangen soll!

WIR SIND WACH!

Nö, begriffen haben wir es noch nicht ganz, woran das liegt. Wilde Theorien von „Sehgewohnheiten“ bis „Glühweinkonsum“ werden im Garderobenwettbüro verhandelt. Mit der Analyse werder wir wohl warten müssen...wieviele innere Mäuse und warum beide Pfoten noch dran und was sonst noch. Wie unser Schimanzki schwingen wir uns mit der Eleganz eines Zirkuskünstler nach getaner Arbeit auf den Barhocker und stützen uns aufs Glas, ertragen die verstohlenen Blicke, drücken mit dem Finger ein Loch in die Theke. Die wahrhaft große innere Maus kennt weder Stolz noch Schmerz. Alles ist ganz einfach. Was wir uns merken wollen. L

... » weiterlesen
 
Paris, 13. November 2015.
14. Nov 2015 von Jonas

aus dem Nichts die erste Nachricht auf dem Handy. dann saßen wir zusammen vor dem Fernseher, den Computern, den Telefonen. sms an Freunde. anrufen wollen. sonst sind wir sehr still.
still, entsetzt, erschreckt und vor allem voller Traurigkeit.
wie furchtbar fühlt es sich an, dass man nicht mehr überrascht ist. dass das jetzt wohl dazu gehört, dass so etwas passiert.
unser Blick in die Welt hat sich schon geändert, schon vorher. langsam und schleichend, aber merklich.
man will keine Angst haben. man will nicht allein sein. wir nehmen uns alle in den Arm, in der Küche an den Zigaretten.
unsere Welt. heute.
uns blutet das Herz.

am meisten trifft uns die schreckliche Geiselnahme und das Massaker im Club Bataclan. Konzerte, Publikum, Bühnen, da sind wir oft. auch unsere Welt.

später, es ist schon Nacht und ich bin inzwischen allein vor dem Bildschirm. man will schlafen aber man hat Angst vor den Schlagzeilen morgen früh. wenn man mehr weiß. und man weiß ja schon jetzt so viel. zu viel.

auf Twitter bieten Menschen unter #PorteOuverte Unterkunft und Zugang zu ihren Wohnungen für Schutzsuchende oder andere, die nicht wissen wohin. sie schreiben ihre Adressen ins Netz. offene Türen. wie wundervoll. das tröstet. das wollen wir doch, die Türen öffnen. zusammen sein. uns gegenseitig helfen. nicht verschließen. nicht verschlossen werden.

auf diese Zeichen müssen wir schauen. nicht auf die brutalen Zeichen der Angst der anderen. wir müssen unsere Zeichen setzen. deutlich. neue Zeichen finden, bessere Zeichen. wir müssen kreativ bleiben und noch kreativer werden. es braucht anderes Denken. und Kraft, verdammt viel Kraft.
wir müssen die Türen aufhalten.
egal wieviel Wind sie vielleicht zudrücken will.

... » weiterlesen
 
Marie Schimanzki allein zu Haus
13. Nov 2015 von Lena

Schimmi ist fort und sucht seine innere Maus. Da hilft nur noch ABBA.

... » weiterlesen
 

Podcast

Folge 7
über »House of Love«

Podcast abonnieren: Feed · iTunes

Instagram