Antwort aufs Warum
11. Nov 2013
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von Theater

In seiner Kritik der Premiere von »Hase Hase« erwähnte der Kritiker der HAZ Ronald Meyer-Arlt zwar den »begeisterten Applaus im Stehen«, hielt aber selber dieses Mal die Stückvorlage leider für »Revolutionstheater von gestern« und stellte die Frage, warum wir das spielen.

Auch wenn wir und ein Großteil des Publikums da deutlich anderer Meinung sind, so können und wollen wir die Frage nach dem »Warum« hier gerne noch einmal beantworten:

 

Auch wenn die Stückvorlage aus den 80er Jahren stammt, liegt für uns überhaupt kein Staub darauf, es ist eher erschreckend, welch direkte Aktualität es heutzutage bekommt (Finanzkrise, Armut, Terrorismus, etc.). Von diesen Themen abgesehen finden wir im Kern des Stückes eine ausgesprochen zeitlose Diskussion der Frage, wie ein gutes Zusammenleben möglich ist - hier am Beispiel einer siebenköpfigen Familie erzählt, die selbst unter härtesten Bedingungen zusammenhält und einer (Über-)Mutterfigur, die sich selbst zurückstellt, um Platz für ihre Mitmenschen zu machen.

Das alles erzählt die Autorin nicht als Belehrung, sondern mit einer anrührenden Naivität und einem fast schon kindlichen Wunschdenken - ohne dabei aber auch die Anstrengungen solch einer fürsorglichen Haltung außen vor zu lassen.

Die angesprochene »Revolution« liegt für uns weniger in den politischen Themen, sondern genau in dieser Direktheit und Naivität, mit der die Bühnenfiguren sich ihre persönliche Freiheit wieder zurückerobern wollen. Obwohl (oder gerade weil) unsere Welt extrem vernetzt und kompliziert geworden ist, sind es oft die ganz einfachen Antworten, die uns weiterbringen - eher ein Gespür und eine Grundhaltung als ein politisches Konzept.

Für uns propagiert die Inszenierung, sich wieder naives Wünschen zu erlauben, Pläne für Morgen zu machen als gäbe es kein Gestern, »Scheitern als Chance« und dem nicht mehr zu gehorchen, was einen am Boden hält - und aus der dadurch gewonnenen Freiheit heraus Platz machen zu können für sein Gegenüber. Und das halten wir für alles andere als gestrig.

(Die Kenner der Stückfassung werden bemerken, das diesbezüglich unser inszenatorischer Zugriff am deutlichsten gegen Ende erkennbar wird, wenn wir das Stück in eine radikalere Richtung fahren lassen und den stark feministisch geprägten Schlussmonolog Coline Serreaus mit unserer eigenen Aussage ersetzen.)

 

Wer selber erfahren möchte, warum wir uns für dieses Stück entschieden haben, der ist natürlich herzlich eingeladen, eine der nächsten Vorstellungen von »Hase Hase« zu besuchen und sich am Besten seine eigene Meinung zu bilden! :)

 
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