R.I.P : Nachruf auf "Urmel"
01. Nov 2016
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von Lena

Wie viele von Euch wissen gibt es einen Grund, warum wir nur am Mittwoch, Freitag und Samstag spielen können: In den Kellerräumen unter dem Theater befinden sich seit 40 Jahren Bandproberäume, in denen schon Fury in the Slaughterhouse, die Scorpions und vermutlich auch Lena M-L (äh....) geprobt haben.
Da wir und ihr oben kein Wort verstehen können, wenn unten die Anlagen aufgedreht werden und E-Gitarren, Drums und Co durchs alte Gemäuer wummern, gibt es ein uraltes Agreement zwischen Muckern und Theater, was sich eben auf diese drei Wochentage bezieht und an denen dann für die Zeit der Vorstellung Ruhe herrscht.

Ziemlich direkt unter unserem Bühnenraum ist das Reich von Urmel, dem Schlagzeuger. Viele Geschichten rankten sich um ihn, bis wir ihn das erste Mal zu Gesicht bekamen. Seit Jonas und ich, ach quatsch, seit Helga und - ach was, seit sich JEDER erinnern kann, trommelte Urmel ziemlich pünktlich, nach einem gemütlichen Joint, dessen aromatischen Schwaden sich den Weg auf unsere Probebühne suchten, ab 17 Uhr in sein Schlagwerk. Ein ewiger, sich einhämmernder Beat, der viele Proben beendete (worüber manche froh und andere wütend waren). Auf unserem 25 Jahre Jubiläum saß Urmel nach getaner Arbeit (lauschender Gast: "Wow, das ist doch Urmel?! Den gibt's immernoch, Wahnsinn!!") auf ein Bier mit im Vorgarten. Wir waren ganz gerührt - sonst sind die Mucker für uns sehr scheue Wesen, zu denen wir leider wenig Kontakt finden konnten.
Gerade im Hof angekommen huschen sie, meist blass von Angesicht, die Kellertreppe hinunter, um sich im Schutze des vertrauten Dufts aus Zigaretten, Bierchen, Schweiß und Stahlseiten, dem, manchmal wohlgeformten, manchmal schwer ergründbaren Geräusch hinzugeben, das irgendwann zu Musik wird und sich vorsichtig an die Öffentlichkeit wagt.
Oder vielleicht auch für immer eine Befreiung aus dem Alltag, ein Hobby, eine willkommene Abwechslung oder eine Passion bleibt.

Seit einiger Zeit blieb es unten schon still. Kein Grasgeruch, kein Getrommel.
Heute hing ein Zettel an unserer Tür auf dem stand, dass Urmel, unser Urgestein des eisernen Beats, der Herzschlag der Kellergemäuer... nun, dass unser Urmel nun von uns gegangen ist. Nach wohl langer Krankheit starb er vor einigen Tagen mit Mitte 50, wie wir schätzen.

Lieber Urmel, wir haben oft auf Dein Getrommel geschimpft. Sitzungen wurden abgebrochen, Treffen vertagt, Proben verschoben aufrgund Deiner ewigen Beats.
Doch wir haben uns dran gewöhnt: in all den Jahren und Tagen bist Du und Dein Schlagzeug uns ans Herz gewachsen, hast Dich durch unsere Felle getrommelt und bist vielen Schauspielern und Künstlern, die bei uns gearbeitet haben ein stehender Begriff geworden. Ganz ehrlich: selbst, wenn man sich nicht mehr erinnern sollte, was man hier vor vielen, vielen Jahren einmal gespielt hat - Dich hat keiner je vergessen.
"Wieso spielt Urmel heute nicht?"
Im Jahr, in denen auch Bowie und Prince sich in die ewigen Jagdgründe begaben, verabschiedet sich nun auch Urmel von uns.
Wir wünschen Dir eine gute letzte Reise, lieber Urmel, mögen Dir die Drumsticks nie ausgehen und die Ohren nie taub werden!

R.I.P.
Lena, Jonas und Helga

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