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Der erste Blick ins Internet heute früh: sollte Clinton vorne liegen, würde man sich nochmal umdrehen und erleichtert „habichsdochgesagt“ brummelnd noch eine Runde schlummern, bis der Wecker klingelt. Froh, dass wir nochmal davongekommen sind. Vom Regen in die Traufe, aber immerhin.

Doch soweit sollte es nicht kommen.

Kein Schlaf mehr möglich.

Vielleicht ist das nun symptomatisch für diese Zeiten? Wach bleiben. Wachsam bleiben.

 Wir gucken uns an. Es passiert tatsächlich: Langsam neigt sich die Waage immer öfter zugunsten all dessen, was aus Angst geboren wird. Was vermeintlich einfach und klar ist, was radikal, was populistisch ist.
Und was, wenn es eine Stimme, viele Stimmen bekommt, immer lauter wird und immer mehr Angst entfacht, denn das ist die Machtgrundlage der aus der Furcht geborenen.

 

„Wake Up, Rosie“ kommt mir in den Sinn, unsere Tante Trottoir Aktion auf der Dornrösschenbrücke in Linden. „Dornrösschen und der gesamte Hofstaat fiel in einen hundertjährigen Schlaf“. Zeit aufzuwachen.

Jetzt klingelt auch mein Wecker im echten Leben. Ich mache den Fernseher aus, auf dem Herr Trump seinen Sieg feiert. Übelkeit. Die Arbeit ruft: „Krieg. Stell Dir vor er wäre hier“, der Umbau für die Premiere am 26.11.16. Ein Stück, das uns daran erinnern soll, alles zu tun, um den Frieden zu bewahren.

Gut! Wir können was tun. Puh. Können wir? Ja, können wir.
Wir als Theater. Wir auf der Strasse. Wir miteinander.
Wir sehen uns fest in die Augen. Sehr gut.

 Kaffee hilft.

 Schon fast ganz wach. Warm anziehen. Winter is coming.

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R.I.P : Nachruf auf "Urmel"
01. Nov 2016 von Lena

Wie viele von Euch wissen gibt es einen Grund, warum wir nur am Mittwoch, Freitag und Samstag spielen können: In den Kellerräumen unter dem Theater befinden sich seit 40 Jahren Bandproberäume, in denen schon Fury in the Slaughterhouse, die Scorpions und vermutlich auch Lena M-L (äh....) geprobt haben.
Da wir und ihr oben kein Wort verstehen können, wenn unten die Anlagen aufgedreht werden und E-Gitarren, Drums und Co durchs alte Gemäuer wummern, gibt es ein uraltes Agreement zwischen Muckern und Theater, was sich eben auf diese drei Wochentage bezieht und an denen dann für die Zeit der Vorstellung Ruhe herrscht.

Ziemlich direkt unter unserem Bühnenraum ist das Reich von Urmel, dem Schlagzeuger. Viele Geschichten rankten sich um ihn, bis wir ihn das erste Mal zu Gesicht bekamen. Seit Jonas und ich, ach quatsch, seit Helga und - ach was, seit sich JEDER erinnern kann, trommelte Urmel ziemlich pünktlich, nach einem gemütlichen Joint, dessen aromatischen Schwaden sich den Weg auf unsere Probebühne suchten, ab 17 Uhr in sein Schlagwerk. Ein ewiger, sich einhämmernder Beat, der viele Proben beendete (worüber manche froh und andere wütend waren). Auf unserem 25 Jahre Jubiläum saß Urmel nach getaner Arbeit (lauschender Gast: "Wow, das ist doch Urmel?! Den gibt's immernoch, Wahnsinn!!") auf ein Bier mit im Vorgarten. Wir waren ganz gerührt - sonst sind die Mucker für uns sehr scheue Wesen, zu denen wir leider wenig Kontakt finden konnten.
Gerade im Hof angekommen huschen sie, meist blass von Angesicht, die Kellertreppe hinunter, um sich im Schutze des vertrauten Dufts aus Zigaretten, Bierchen, Schweiß und Stahlseiten, dem, manchmal wohlgeformten, manchmal schwer ergründbaren Geräusch hinzugeben, das irgendwann zu Musik wird und sich vorsichtig an die Öffentlichkeit wagt.
Oder vielleicht auch für immer eine Befreiung aus dem Alltag, ein Hobby, eine willkommene Abwechslung oder eine Passion bleibt.

Seit einiger Zeit blieb es unten schon still. Kein Grasgeruch, kein Getrommel.
Heute hing ein Zettel an unserer Tür auf dem stand, dass Urmel, unser Urgestein des eisernen Beats, der Herzschlag der Kellergemäuer... nun, dass unser Urmel nun von uns gegangen ist. Nach wohl langer Krankheit starb er vor einigen Tagen mit Mitte 50, wie wir schätzen.

Lieber Urmel, wir haben oft auf Dein Getrommel geschimpft. Sitzungen wurden abgebrochen, Treffen vertagt, Proben verschoben aufrgund Deiner ewigen Beats.
Doch wir haben uns dran gewöhnt: in all den Jahren und Tagen bist Du und Dein Schlagzeug uns ans Herz gewachsen, hast Dich durch unsere Felle getrommelt und bist vielen Schauspielern und Künstlern, die bei uns gearbeitet haben ein stehender Begriff geworden. Ganz ehrlich: selbst, wenn man sich nicht mehr erinnern sollte, was man hier vor vielen, vielen Jahren einmal gespielt hat - Dich hat keiner je vergessen.
"Wieso spielt Urmel heute nicht?"
Im Jahr, in denen auch Bowie und Prince sich in die ewigen Jagdgründe begaben, verabschiedet sich nun auch Urmel von uns.
Wir wünschen Dir eine gute letzte Reise, lieber Urmel, mögen Dir die Drumsticks nie ausgehen und die Ohren nie taub werden!

R.I.P.
Lena, Jonas und Helga

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Ausfall 05.10. wegen stummer Lene
04. Okt 2016 von Lena

(als "Stumme Jule" wird im Theater eine stumme Rolle oder stummes Gebaren auf der Bühne bezeichnet)

Liebe enttäuschte Zuschauer,

es tut mir sehr leid, dass die Vorstellung am 05.10. ausfallen muß. Ich war gerade bei der HNO-Ärztin: meine Kehle ist eine unwirtliche Gegend aus Lava und Feuer, ein fieser Virus hat Besitz von ihr ergriffen. Auch der gesundheitliche Gesamtzutand lässt wohl zu wünschen übrig, weswegen sie uns dringend empfahl, die morgige Vorstellung auszusetzen und mich am besten gleich bis Dienstag aus dem Verkehr ziehen würde ( aber das wäre in einem anderen Leben, hier geht das nicht!)  Ich wollte mich beschweren und redete etwas von Zuschauern, Kollegen, Ruhm und Ehre aber heraus kam nur ein sehr angeschlagener John Wayne, der auch gleich wieder traurig verstummte. Keinen Pieps mehr kann ich sagen, Leute. Nun habe ich ein Schweigegelübde und Medikamente bis wir uns hoffentlich schon am 07.10 wiedersehen und - hören.

Aber wer weiß, vielleicht verschlägt die Liebe mir die Sprache? Bisher hat mich in meinen 10 Berufsjahren die Stimme nur ein einziges Mal verlassen. Damals verliebte ich mich in meinen jetzigen Mann.Und nun probe ich ein Stück über die Liebe - und nun das! Was soll ich sagen: mir fehlen die Worte!

Ich hoffe auf Euer Verständnis und freue mich, wenn wir uns zu einer anderen Vorstellung im House of Love treffen,

Eure Lena

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Remembering Rosie
11. Jul 2016 von Jonas

Am 11. Juni installierte unsere Außentruppe »Das wundersame Aktionsbündnis der Tante Trottoir« im Rahmen des Workshop-Programms »Positiver Aktionismus« Rosies Bett auf der Dornröschenbrücke in Linden. Einen ganzen Tag lang, von Sonnenauf- bis Untergang, lud die Installation Besucher und Passanten zum Träumen, Assoziieren und zum im Bett liegen ein, während Rosie selbst unsichtbar zart vor sich hin schnarchte.

Gegen 23 Uhr überließen wir, als Teil der Aktion in einem Vertrauensversuch, das Bett sich selbst und den Nächtschwärmen, und es hielt auch einige Stunden durch (das letzte Lebenszeichen empfingen wir via Instagram um ca. 2 Uhr nachts - siehe hier), in den frühen Morgenstunden wurde das Bett jedoch von vermutlich betrunken Party-Heimkehrern leider brutal zerstört. Ein Risiko, das uns bewusst war, aber das Experiment, wie lange etwas »Schönes« hier so überleben kann, war für uns ein wichtiger Teil der Aktion.

In den nächsten Tagen wurde in den Sozialen Netzwerken viel über die Aktion und die Zerstörung (»Skandal um Rosie!«) berichtet und diskutiert, was ihr z.B. hier nachlesen könnt. Und bei unserer Aufräumaktion (und dem Herausfischen einiger Überreste aus der Leine) kamen wir mit vielen Leuten ins Gespräch, die das Bild vom Vortag schon ganz in ihr Herz geschlossen hatten. Rosie wirkte noch einige Tage bei vielen nach.

Ein Video über die Aktion haben wir euch hier zusammengestellt - mehr findet ihr auch auf tantetrottoir.de/wakeuprose/.

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Zum Abschluss des dreitägigen Festivals des Bundes Deutscher Architekten hatten Lena und ich am Samstag die Ehre, das »Orchester im Treppenhaus« auf einem musikalischen Rundgang im Ihmezentrum szenisch einzurichten. Bei der Aktion und dem Festival ging es um die Zukunft des Ihmezentrums, unseres großen Betonnachbarn, und auch um Ansätze zukünftiger kultureller Nutzungsmöglichkeiten des Areals.

Trotz des ziemlich unsommerlichen Wetters konnten die sieben jungen Musiker (Respekt!!!) die Rundgänger und Besucher in ihren Bann ziehen und es entstanden sehr zauberhafte, poetische Bilder im rumpeligen Ambiente der Betonruine.

Hier habe ich euch ein kleines Video der Performance zusammengeschnitten:

Mehr über das Festival findet ihr auf ihmezentrum.org, mehr über das Orchester im Treppenhaus auf treppenhausorchester.de

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Mails of Love
19. Jun 2016 von Jonas

Seit einer Woche stecken wir in den Vorbereitungen zur nächsten Produktion »House of Love«, bei der wir uns gänzlich dem Thema »Liebe« widmen wollen. Mit einem tollen kreativen Team ging es nun in die Vorproben eines Projekts, das mal wieder von uns allen gemeinsam entwickelt wird und daher weder einen fertigen Stücktext, noch irgendeine existierende Vorlage besitzt - was ja für uns immer wieder ein spannender Prozess ist...

Und ein Prozess, an dem wir euch gerne teilhaben lassen möchten!

Daher haben wir unsere Produktionsbegleitung »very interested persons« wieder an den Start gebracht, bei der ihr eine exklusive EInführung in das Projekt und die Thematik bekommt und im September unsere Proben besuchen könnt UND wir haben die Minisite love.theaterglocksee.de geschaltet:

Hier könnt ihr euch mit eurer Mailadresse anmelden und seid damit im Verteiler für Gedanken, Hintergründe, weiterführende Links und immer wieder auch ein bisschen Liebe für die Dauer des Projekts und seiner Entstehung. Anders als im normalen Theater-Newsletter bekommt ihr dort sehr viel persönlichere und spontanere kleine Grüße aus der Probenarbeit und seid somit sehr viel näher an uns und am Projekt dran. Es lohnt sich also. ;)

Egal wo, wir freuen uns, wenn ihr dabei seid!

LOVE LOVE LOVE
vom
Jonas

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Video der Zaungast-Aktion
31. Mai 2016 von Jonas

Am 21. Mai war Tante Trottoir mitsamt vielen tollen Helfern und Mitakteuren am Steintor aktiv - für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir hier ein paar Eindrücke der »Zaungast«-Aktion.

Mehr findet ihr auch unter tantetrottoir.de/zaungast.

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Lange Nacht ohne uns
24. Mai 2016 von Jonas

Lange Nacht der Theater und kein THEATER an der GLOCKSEE im Programm? Was ist denn da los?

Nun, die Antwort ist genauso simpel wie schade - denn dieses Jahr passte der Termin einfach mal so überhaupt nicht in unsere Jahresplanung: Unser Bühnenraum steckt im Umbau, wir selber stecken in den frühen Vorbereitung des nächsten Workshops und des neuen Projeks »House of Love« ... so dass wir dieses Jahr einfach leider keine Zeit für ein Lange-Nacht-Programm haben. :(

Aber da wir ja im letzten Jahr eigens für die Lange Nacht eine kleine Show entwickelt hatten, kam ich auf eine Idee, wie wir wenigstens im »digitalen Geiste« dabei sein können:

Am Samstag ab 17 Uhr schalten wir für euch auf bit.ly/lndt2016 nochmal die Aufzeichnung unserer Show vom letzten Jahr online - und da bleibt sie dann exklusiv anguckbar bis ca. Mitternacht!

Euch wünschen wir auf jeden Fall viel Spaß, viel tolles Theater und freuen uns, im nächsten Jahr wieder mit am Start zu sein! (Und vielleicht läuft man sich ja Samstagnacht auch irgendwo über den Weg.)

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Podcast

Folge 7
über »House of Love«

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