MCPA Theater Performance
Ein Theaterabend der beschleunigten Erlösung – für Gläubige und Zweifelnde und bald obsolete Menschen.
In einem theatralen Tech-Gottesdienst verbinden wir uns mit den Philosophien, die in Wahrheit hinter der glänzenden Fassade unserer alltäglichen Digitalität und Technologien stecken. Deren Auswirkungen uns alle angehen, ob wir sie nutzen oder nicht …
Was steckt hinter dem Glauben an schrankenlose technologische Beschleunigung? Wovon erzählen die Heilsversprechen der Tech-Konzerne? Wieso glauben manche Leute schon ganz real, ihre KI sei eine Gottheit? Und was bleibt von uns Menschen inmitten der Hochtechnisierung?
Hosianna – Ehre sei dem Gott in der Hosentasche: Wir kommen zusammen mit unseren gesegneten Smartphones und lassen sie singen und zu uns sprechen! Einen eindringlichen und multimedialen Abend lang gemeinden wir uns miteinander ein: In eine Zukunft, die bald schon entstehen könnte … wenn wir ihre Bedingungen akzeptieren.
Gloria in excelsis Tech-Bro.
Denn dein ist der Reichtum und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Senden.
Bringt bitte Euer Smartphone mit möglichst vollem Akku zum Besuch des Stückes mit.
Ihr braucht kein Datenguthaben. Nur Vertrauen.
Ladekabel liegen im Foyer aus.
(Wer kein Smartphone hat, kann den Abend trotzdem besuchen.)
23. / 25. / 26. / 30. September / 2. Oktober
Beginn 20 Uhr
Eintritt Normal 18 EUR / Ermäßigt 13 EUR / Studierende & Kolleg*innen 9 EUR / Soliticket 0 EUR
Weiterführende Infos (für nach der Vorstellung)
Regie / Text / Medien Jonas Vietzke
Ensemble Andrea Casabianchi, Johannes Fast, Dennis Pörtner, Jonas Vietzke
Bühne Britta Bremer
Kostüm Marie Harneit
Leitung Multiprojekt MAKE CYBER PUNK AGAIN Jonas Vietzke, Lena Kußmann
Diese Angaben sollen als Hilfestellung dienen, um selbstbestimmt zu entscheiden, ob man sich mit den genannten Inhalten konfrontieren möchte:
- Die Produktion enthält in einer Szene die Darstellung chirurgischer Eingriffe und den Einsatz von Kunstblut.
- Mehrfach kommen blitzende Lichteffekte und laute Musik zum Einsatz.
- Das Publikum wird über die eigenen Smartphones einbezogen und direkt angesprochen.
- Bei Bedarf kann der Saal verlassen werden.
Presse
»CHURCH OF CODE ist formell ein perfides Spiel, getragen aber von Humanismus und Protest. Die Zeit, auf der Schussfahrt in die digitale Unfreiheit noch zu bremsen, läuft ab. Das macht diese eindringliche Inszenierung nicht eben subtil überdeutlich.
Vietzke sowie Andrea Casabianchi, Johannes Fast und Dennis Pörtner als seine Messdienerschaft machen die Zuschauerinnen und Zuschauer erst einmal zu Komplizen. Ihre Smartphones haben sie alle dabei. Geleitet werden sie auf eine Website, deren Texte und Töne den Abend takten. 52 Prozent der Gäste, ergibt eine Abfrage, waren am Premierentag sowieso schon länger online als offline.
Vietzke und die Seinen lassen beten und singen. Sie breiten in Zitaten und Videos die Gewissenlosigkeit derer aus, die an den Schalthebeln der Entwicklung stehen, ihre Unmenschlichkeit beim Blick auf die Nutzer, die Umweltfeindlichkeit der Serverfarmen und die Demokratiefeindlichkeit, die entsteht, wenn Reichtum und Macht keinerlei Zügel auferlegt werden.
Noch aber erhellen die Smartphones den Saal. Das Power-Zeichen leuchtet über dem Altar im Bühnenraum, es leuchtet auch in weißer Schminke auf den Stirnen der Spielenden. Denn ihnen ist der Strom und das Netz und die Herrlichkeit in Scheinheiligkeit. Amen.« → mehr lesen
– HAZ, Stefan Gohlisch, 24.09.2026
Bericht von leibniz.fm → anhören – leibniz.fm, Olivia Wilke, 24.09.2026
Bericht für NDR Kultur → anhören – NDR Kultur, Agnes Bührig, 24.09.2026
»Jonas Vietzke hat Regie geführt, Texte geschrieben, programmiert, digital gezaubert, der KI Musik abgerungen - und spielt den Hohepriester der Church of Code, in deren dystopischen Gottesdienst wir als Publikum geraten. Meine Erwartungen waren also hoch: Ich war schon vor Jahren Fan von Jonas' Projekten der Reihe "Jack in the Box", in denen er als gut informierter Nerd seinen Bewusstseinsstrom entfesselt und ihn mit beeindruckenden digitalen Welten interagieren lässt. Nun also KI, Big Tech, Datenkapitalismus, Überwachungsszenarien, die "Überwindung" der Demokratie und der finale Kniefall vor dem alles durchdringenden Digitalen – als beängstigende Messe. Eine Hauptrolle spielen die eigenen Smartphones des Publikums, die Jonas direkt ansteuert und zu Gesangbüchern, Bibeln und Hostien zugleich werden lässt. Endlich experimentiert mal wieder jemand im Theater mit neuen Technologien! Und das gelingt großartig: als Lecture Performance, Ritual, Lehrstück und sakrales Musical irgendwo zwischen Kirchentag, Sister Act, Rocky Horror, Isaac Asimov, 2001 und Rosemary's Baby. Es ist unterhaltsam, aufklärend, faszinierend und spooky as fuck. Wie gut, dass das Theater an der Glocksee weiß, wie man das Potential der freien darstellenden Künste ausschöpft. Übermorgen findet eine letzte Vorstellung statt - hin da!« → mehr lesen
– Thomas Kaestle, Instagram, 30.09.2026